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Uganda – eine Reise mit dem Fahrrad durch Afrika

Bild zu Uganda - eine Reise mit dem Fahrrad durch Afrika

Uganda ist einer von 54 Staaten in Afrika.
Doch um einen besseren Einblick in diese Reise mit dem Fahrrad zu erhalten, hier ein paar Daten:

  • Größe: Uganda ist mit 241.500 km² und 35 Millionen Einwohner für den afrikanischen Kontinent ein sehr kleines Land (etwa 3-mal so groß wie Österreich).
  • Lage: Uganda liegt etwa in der Mitte und im Osten von Afrika (siehe Karte) und wird in der südlichen Hälfte vom Äquator durchschnitten.
  • Staatsform: Präsidialrepublik, der Präsident wird alle 5 Jahre vom Volk direkt gewählt.
  • Religion: Jeweils 40 % Katholiken und Protestanten, 12 % Muslime, Rest Naturreligionen.
  • Wirtschaft: Export von Kaffee, Tee, Gold und Tabak. Im Land gibt’s ganzjährig Gemüse, Obst, Baumwolle und Blumen. Aufgrund vieler Seen natürlich auch Fisch.

Durch Uganda mit dem Fahrrad – der Beginn der Reise

Nach wenig Schlaf während der gesamten Flug-Reise geht’s am 3. Jänner 2014 los. Am Morgen dieses Tages verlassen 5 für afrikanische Verhältnisse sehr seltsam gekleidete Radfahrer den Flughafen in Entebbe (dieser liegt direkt am Viktoria See) in süd-westliche Richtung. Als Gefolge dient ein weißer Toyota Bus, bestückt mit Gepäck, viel Trinkwasser, Werkzeug und – vermutlich außer dem Trinkwasser das Wichtigste: jede Menge an Fahrrad-Ersatzteilen.
Doch wer sind diese verwegenen Afrika-Reisenden? –
Es handelt sich dabei um 6 Männer aus Niederösterreich im Alter zwischen 52 und 60 Jahren, die im Jänner 2014 vier Wochen unterwegs sein sollten. Davon 5 auf ihren Mountain-Bikes und 1 begnadeter Geländefahrer mit einem gemieteten Toyota Hiace Allrad-Bus.

Der erste Tag und die erste Nacht in Afrika

Am ersten Tag werden 80 km mit dem Rad zurückgelegt, teilweise bei Regen, die ersten physischen und psychischen Grenzbereiche werden bereits erspürt. Und schließlich am Ende dieses ersten Tages stellt sich so manch Einer aus der Gruppe die Frage: “Wie soll ich das bitte 4 Wochen lang aushalten?”

Uganda hautnah

Das erste Quartier im kleinen Ort Mpigi ist mehr als rustikal. Nämlich ein 2-Bett-Zimmer im Hinterhof, als Bad ein etwa 1,5 x 3 m großer Raum mit Betonboden, ein Loch in der Ecke als Abfluss, ein schmutziger gelber 20-Liter Kanister mit Wasser und eine braune Plastik-Schüssel.
Im Innenhof ein Gemeinschaftsloch mit extremen Gestank als WC gekennzeichnet; eine Atmung durch die Nase in diesem Bereich ist ohne Erbrechen unmöglich.

Abseits der Hauptverkehrsrouten wird in sehr hügeligem Gelände auf teilweise engen rot-sandigen Straßen gefahren. Speziell in der 1. Woche ist die Gruppe beinah jeden Tag in einer nicht dem Plan entsprechenden Richtung unterwegs. Denn keine verständlichen Wegweiser säumen die Straßenränder.
Obwohl in Uganda “Englisch” die offizielle Amtssprache ist, hat in diesen Dörfern ein Großteil der Einwohner keine Ahnung davon. Demgemäß ist es oft nicht möglich, eine entsprechende Auskunft über das nächste Ziel der Reise zu erhalten.
Jedoch: Die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Einheimischen ist beeindruckend. Es wird immer gelacht und die Bevölkerung, speziell die Kinder, wirken glücklich und zufrieden.
Wo immer die 6 Abenteurer auftauchen, sind sie eine Attraktion; Erwachsene und Kinder laufen aus ihren Hütten, schreien und winken und Standards wie “Muzungu`s, jamboo!” – “Hello, how are you Muzungu?” (Muzungu = Weißer) sollten in diesen 4 Wochen ständiger Begleiter werden.

Bild zu Reise mit dem Fahrrad durch Afrika - Uganda hautnah
Afrika-Reise mit dem Fahrrad – Uganda hautnah

 

Afrikanisches Treiben in größeren Orten Ugandas

In den größeren Orten findet typisches afrikanisches Treiben im Bereich der staubigen Straße statt. Hier gehen bzw. laufen jede Menge Leute aller Altersklassen, andere fahren mit dem Rad oder Moped. Dabei werden Bananen, Tische, Stühle, Betten, Matratzen, riesige Müllsäcke mit Aludosen und sogar Holzpfosten mit diesen Fahrzeugen transportiert.
Die Mopeds befördern zwischen 3 und 5 Personen, es fahren schrottreife PKWs und Klein-LKWs, dazwischen laufen Hühner und vereinzelt auch Kühe auf der Straße umher.
Es wird gekocht, gegrillt, gebacken, gehupt, geschrien. Und von der am meisten zerrissenen und dreckigsten Hose bis zum schönsten bunten Kleid, von barfuß bis zu Stöckelschuhen ist alles zu sehen. Außerdem dröhnen Werbung und Musik aus großen Lautsprechern, insgesamt also ein lautes aber doch interessantes Chaos.

Afrika-Reise – durch Uganda mit dem Fahrrad: die 1. Woche

In den nächsten 7 Tagen sollte dieser Tross knapp 900 km zurücklegen und dabei bis zum südwestlichsten Punkt von Uganda, der Stadt Kisoro vordringen. Als Folge der englischen Kolonialzeit wird dort selbstverständlich auf der linken Fahrbahnseite gefahren.

Bild zu Uganda - Reise mit dem Fahrrad durch Afrika (Woche 1)
1. Woche der Afrika-Reise mit dem Fahrrad durch Uganda

 

In dieser ersten Woche wird durch wunderschöne grüne hügelige Landschaften, Sand und Schotter-Pisten, aber auch auf asphaltierten Hauptverbindungen geradelt. Bei der Überquerung des Äquators begibt sich die Gruppe auf den südlichen Teil der Erdkugel.

Bild zu Reise mit dem Fahrrad durch Uganda - der Äquator
Afrika-Reise mit dem Fahrrad durch Uganda – der Äquator

 

Es wird in großen Städten wie Masaka (68.000 Einwohner) und Mbarara (70.000 Einwohner) genächtigt. Dort lässt die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Einheimischen schon etwas nach. Außerdem ist beim Filmen und Fotografieren entsprechende Vorsicht geboten. Danach werden bei völliger Erschöpfung Spagetti Bolognese im Luxushotel in Masaka als die besten des Lebens empfunden und die Tage werden mit viel Malaria Vorsorge (Gin-Tonic) abgeschlossen.

Die mittelgroße Ortschaft Kyotera wird unbeabsichtigt erreicht, und nach dem irrtümlichen Abdriften in südliche Richtung, befindet sich die Gruppe bereits nahe der Grenze zu Tansania (siehe Karte).

Der Ausklang des Abends

Das Abendessen wird in einem Dorfwirtshaus eingenommen, wo hinter einem Vorhang auf dem Fußboden gekocht wird. Dieses schmeckt ganz gut, vor allem ist es sehr typisch: Chicken, Beef oder Fisch im Suppen-Saft, dazu viel Matoke (Kochbananen), Maniokwurzel, Reis, Bohnen oder eine Art Maroni-Brei. Doch Fleisch ist nach 4 Bestellungen aus – “Is over!” Auch das sollten die 6 Abenteurer in der folgenden Zeit noch öfter zu hören bekommen.

Nach dem Abendessen wird durch einen riesigen Markt spaziert. Dort gibt es begonnen mit Fleisch, über Gemüse, Obst, Werkzeug, Ersatzteile jeglicher Art, Geschirr, Blech, Müll und Schrott alles. Und das in einem schmutzigen und staubigen Ausmaß, welches für manch einen der 6 bis dato nicht vorstellbar gewesen war. Hier fühlt sich die Gruppe als Fremdkörper und gefühlsmäßig nicht wirklich erwünscht. Deswegen erscheint es ratsamer, Fotoapparat und Videokamera im Rucksack zu belassen.

 

 

Afrika-Reise – durch Uganda mit dem Fahrrad: die 2. Woche

In der Zeit vom 13. bis 21. Jänner ist die Gruppe auf einer Strecke von etwa 800 km unterwegs.
Kisoro, das südwestlichste Ziel dieser Reise mit dem Fahrrad ist erreicht. Auf einer Seehöhe von 2.000 m befindet sich der Ausgangspunkt für Gorilla-Tracking im Mgahinga-Gorilla-Nationalpark (hier erheben sich auch die 3 Virunga Vulkane, einer davon über 4.000 m Seehöhe).
Für USD 40,- pro Nacht wird im berühmten Travellers Rest Hotel genächtigt (Ernest Hemingway und Dian Fossey waren vorher schon da). Der Gorilla-Trip um USD 600,- pro Person wird nicht in Anspruch genommen.
Ab Kisoro geht’s wieder Richtung Norden mit dem Ziel Murchinson Falls Nationalpark und der Stadt Masindi, welche unmittelbar vor dem Park liegt.

Afrika-Reise – durch Uganda mit dem Fahrrad: die weiteren Tage

Die Berge werden verlassen, die Savanne tut sich auf und es wird auf einer endlos scheinenden Geraden den Queen Elisabeth Nationalpark (1.978 km²) entlang geradelt. Der Park wird über den Kazinga-Kanal (verbindet 2 Seen, Lake Edward mit Lake George) durchquert. Dort wird am nächsten Tag eine 2-stündige Bootsfahrt gemacht. Hierbei können Flusspferde, Elefanten, Kaffernbüffel, Antilopen, Hyänen, große Nil-Krokodile und viele Vogelarten aus nächster Nähe beobachtet werden.
Weiter geht’s entlang dem an der Grenze zum Kongo liegenden Ruwenzori Gebirge (höchste Bergspitze Mt. Stanley; mit 5.109 m die dritthöchste Erhebung Afrikas) zur relativ modernen Stadt Fort Portal. Die Stadt wird besichtigt, die Haare werden geschnitten, eine Rasur wird verpasst und in einer tollen Pizzeria wird gespeist.

Abseits der Hauptverkehrsträger geht’s weiter durch hügelige und grüne Landschaften. Kontakte mit Einheimischen in kleinen Dörfern werden geknüpft, um am 5.347 km² großen Albert-See entlang und durch Zuckerrohrplantagen schließlich bis Masindi zu gelangen.

Eindrücke vom größte Schutzgebiet Ugandas, dem Murchinson Falls Nationalpark

Da zum wiederholten Mal die geplante Route nicht erwischt wird, wird von Masindi (29.000 Einwohner) über die nördliche Seite in den Murchinson Falls Nationalpark eingefahren (Wangkwar Gate, wegen instabiler Lage in Nord-Uganda nicht zu empfehlen). Dieser Nationalpark ist mit 3.877 km² das größte Schutzgebiet Ugandas. Der durchfließende Viktoria-Nil teilt den Park in 2 Hälften, welche sich auch in ihrer Vegetation unterscheiden: im Norden herrscht eine Gras-Savanne, der südliche Teil besteht hauptsächlich aus Trockenwald.
Da Radfahren im Park angeblich zu gefährlich und verboten ist, werden die 5 Mountain-Bikes aufs Dach montiert. Vom Auto aus werden Elefanten und Giraffen aus nächster Nähe beobachtet. In einiger Entfernung auch Kaffernbüffel, Wasser- und Buschböcke, Antilopen, Warzenschweine und verschiedenste Affenarten. Die ebenfalls im Park lebenden Löwen und Leoparden lassen sich leider nicht sehen.

Bild zu Reise mit dem Fahrrad durch Uganda - Boots-Reise
Afrika-Reise mit dem Fahrrad in Uganda – die Boots-Reise

 

Bei einer mehrstündigen Bootsfahrt auf dem Viktoria-Nil zur Hauptattraktion, den namensgebenden Murchinson Wasserfällen, werden wieder jede Menge Säugetiere und Vögel beobachtet. Im Camp am Abend gibt’s Bacon-Brandy Chicken with Mash, einige Biere und die bereits erwähnte Malaria Vorsorge.

Afrika-Reise – durch Uganda mit dem Fahrrad: der Ausklang

Am 25.01. wird der Murchinson Falls Nationalpark unter massiver Begleitung von Tsetse-Fliegen (Auslöser der Schlafkrankheit) in südliche Richtung verlassen, um am Abend des 28.01. den Heimflug anzutreten.
Wieder wird durch bereits vertraut wirkende grüne Landschaften sowie abwechselnd auf Sand- und auch befestigten Straßen durch kleine Dörfer und auch etwas größere Ortschaften und Städte geradelt, bis schließlich der Flughafen erreicht wird.
Die zum Glück nicht benötigten Medikamente (Antibiotika, Tabletten, Einwegspritzen, Nadeln und Zwirn, jede Menge Sprays und Erste Hilfe Material) werden einer kleinen medizinischen Station übergeben. Dessen Arzt ist dafür sehr dankbar.

Zusammenfassung der Reise mit dem Fahrrad durch Uganda

  • Dauer der Reise: 4 Wochen
  • Reise-Monat: Jänner 2014
  • Teilnehmer an der Reise: 6 Männer aus Niederösterreich im Alter zwischen 52 und 60
  • zurückgelegte Kilometer: mehr als 2.200
  • überwundene Höhenmeter: ca. 23.000
  • durchschnittliche Reise-Temperatur: 30 – 40° Celsius
  • Staub und Dreck: viel! (Wie am Foto unten unschwer erkennbar.)
  • Fazit: Als Abenteuerurlaub ein tolles Erlebnis mit Kontakten zu Einheimischen und Eindrücken von Bereichen des Landes, welche im Zuge einer Pauschalreise nicht möglich gewesen wären!
    Und manch einer hat sich während dieser Tage durch das Erreichen einiger Grenzbereiche auch selbst besser kennengelernt.

Bild zu Afrika-Reise - mit dem Fahrrad durch Uganda
Viel Dreck bei der Reise mit dem Fahrrad durch Uganda

 

Abschließend: Das “Warum” und die “Gefährlichkeit” einer derartigen Rad-Reise

Angesichts des Fotos oben, stellt sich vermutlich nun so manch einer meiner Leser eine, oder auch die beiden der folgenden Fragen:

  • Warum tut Mann sich das an?
  • Wie gefährlich ist so eine Reise mit dem Fahrrad durch Uganda?
  • Zu “Warum?”: Warum Mann mit dem Fahrrad durch Uganda fährt, obwohl man mit dem Auto reisen könnte, trifft in unseren Breitengraden bei aktiven Freizeitsportlern und zugleich reise-freudigen Personen vereinzelt auf Verständnis.
    Den fragenden Einheimischen in Uganda konnte dies trotz zahlreicher intensiver Versuche nicht wirklich verständlich gemacht werden, denn Kopfschütteln und amüsiertes Lächeln blieb am Ende immer bestehen.
  • Als das gefährlichste an einer derartigen Reise erscheint ein eventueller Sturz mit dem Fahrrad und eine daraus resultierende unverzüglich notwendige ärztliche Behandlung vor Ort. Diese ist im außerstädtischen Bereich nicht vorhanden und wird in öffentlichen Krankenhäusern als generell gefährlich bezeichnet.
    Sonstige, Ländern typische Problembereiche (der gesamte Norden Ugandas, Großstädte zur Nachtzeit und dgl.) wurden bei dieser Reise verantwortungsbewusst gemieden.

Im Folgenden noch meine Empfehlungen zu Uganda im Osten von Afrika:

Außerdem: Allgemeine Empfehlungen für deine Reisen

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Uganda – eine Reise mit dem Fahrrad durch Afrika
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7 Kommentare

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  1. Richtig krasse Eindrücke 🙂 Das Erlebnis kann dir niemand mehr nehmen. Ein aufs Rad und los geht’s. Finde die Idee genial

  2. Richtig interessanter Artikel mit coolen Bildern!
    Ich hatte auch schon einmal überlegt nach Afrika zu reisen. Bei dem was man da liest wird das jetzt um so wahrscheinlicher.
    Bernd

  3. Tolle Eindrücke und Bilder aus deiner Radreise aus Uganda 🙂 Ich hoffe mich treibt es noch mal auf solch eine spannende Reise doch bisher wird man hier noch von den alltäglichen Pflichten leider zurückgehalten.

  4. Schöne Bilder und eine tolle Reise! Ein bekannter hat vor kurzem auch eine Fahrradtour quer durch Afrika gemacht und dabei Spenden gesammelt. Die Erfahrungen kann niemand mehr einem nehmen! Mal sehen, vielleicht führt es mich ja auch bald auf solch eine abenteuerliche Reise 🙂

  5. Das würde mich auch einmal interessieren. Ist eine solche Reise nicht ultra gefährlich in Afrika? Falls nicht, würde ich mich total freuen so eine Reise einmal in einer Gruppe ausprobieren zu können. Es klingt echt traumhaft.

  6. Mich würde ebenfalls mal interessieren wie sicher ihr euch gefühlt habt – abgesehen von der Austrüstung. Hierzulande fahre ich ebenfalls gerne mit dem Fahrrad, die Landschaft dort sieht aber sehr hügelig aus, ich schätze dass die Tour eine Menge Kraft gekostet hat, aber ebenfalls sehr viel Spaß gemacht hat.

  7. Wow – so eine Reise würde mich wirklich mal reizen! Ich bin hierzulande ein leidenschaftlicher Radfahrer, aber in Afrika bzw. Uganda war ich noch nie unterwegs. Eigentlich überhaupt noch nicht außerhalb von Europa. Wie habt ihr die allgemeine Sicherheitslage empfunden?

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